Camping & Reisen in Europa Frankreich

Camping an der französischen Atlantikküste im Slow Village Lacanau

Der schönste Campingplatz an der französischen Atlantikküste ist für uns das Slow Village Lacanau. Zu diesem Platz haben wir, und vor allem mein Mann, eine ganz besondere Beziehung. Er hat als Kind alle Sommerurlaube dort verbracht – wunderbare Erinnerungen für ihn. Gemeinsam waren wir einmal zu zweit und im Sommer 22 das dritte Mal mit Kindern da. Und jedesmal stellen wir wieder fest, wie wohl wir uns auf dem Platz fühlen und wie sehr wir die französische Atlantikküste und das Campingleben dort lieben.

Und nicht nur uns geht es so. Wenn man auf dem Platz mit anderen Campern ins Gespräch kommt, sind die meisten nicht das erste Mal dort. Viele kommen sogar seit zehn oder mehr Jahren regelmäßig jedes Jahr.

Vor zwei Jahren hat der Campingplatz den Besitzer gewechselt: Aus “Camping Le Tedey” wurde “Slow Village Lacanau”. Ein paar Dinge haben sich geändert, aber der Charakter des Platzes wurde erhalten, so dass die Gäste ihm weiterhin die Treue halten.

Lage & Ausstattung des Slow Village Lacanau

Hier sollte ich wohl direkt mal zugeben, dass der Campingplatz gar nicht am Meer liegt. Trotzdem ist die Lage das, was den Campingplatz so einzigartig macht. Er liegt am Ufer des Lac de Lacanau inmitten eines Pinienwaldes. Der See hat ca. 2.000 Hektar Fläche und eine Wassertiefe von maximal 7 Meter. Das Slow Village Lacanau liegt an einer Landspitze („Pointe du Tedey“), die ins Wasser ragt und wird durch eine Düne V-förmig geteilt. Dadurch hat er zwei Strände.

Das ist einer der beiden Strände, direkt dahinter beginnen die Stellplätze.

7 km vom Campingplatz entfernt ist das Meer. Und damit traumhaft lange weiße Sandstrände, an die die wilden Wellen des Atlantik schlagen.

Dass man bei einem Aufenthalt dort also sowohl See als auch Meer erleben kann, macht es so einzigartig. Ich liebe die Tage am Meer (und ganz besonders am Atlantik), aber im See zu schwimmen und die Kinder am seichten Ufer spielen zu lassen, ist auch großartig. Gerade morgens oder abends nochmal schnell ins Wasser zu springen, rundet für mich einen Urlaubstag perfekt ab.

Einfach nur wunderschön ist der Zugang zum See.

Der Campingplatz gehört zu Lacanau, das aus den Ortsteilen Lacanau-Ville und Lacanau-Océan besteht. Lacanau-Ville liegt im Landesinneren am Seeufer. Lacanau-Océan ist der Ortsteil, der direkt am Atlantikstrand liegt.

Die Strandpromenade von Lacanau-Océan.

Auf dem Platz gibt es viele verschiedene Unterkunftsmöglichkeiten. Zunächst einmal die Campingstellplätze: da kann man zwischen Natur- und Komfort-Stellplätzen wählen („Emplacement Nature“ und „Emplacement Confort“). Die Naturplätze haben keinen Stromanschluss und sind dadurch etwas günstiger. Die anderen haben Stromanschluss. Dann gibt es noch die „Erste Reihe-Plätze“. Das sind die Stellplätze, die direkt hinter dem Strand liegen („Emplacement vue sur le lac“).

Alle Stellplätze sind ausreichend groß. Durch die Lage zwischen den Bäumen liegen sie nicht gerade in einer Reihe, sondern passen sich den Gegebenheiten der Umgebung an. Das gibt dem Platz einen gemütlichen Charakter.

Auf der Homepage des Campingplatzes findest du einen Lageplan. Die Mitarbeiter des Platzes sind bemüht, Wünsche nach speziellen Stellplätzen zu erfüllen. Einfach mal per E-Mail anschreiben, meistens kommt sehr schnell eine Antwort.

Tolle Stellplätze zwischen den Pinien.

Neben den Camping-Stellplätzen kann man auf dem Slow Village Lacanau auch Unterkünfte mieten. Es gibt Tiny-Houses, Lodge-Zelte und Mobilhomes. Eine Besonderheit ist die „Slow Box“. Das sind kleine Hüttchen, gerade mal ca. zwei Quadratmeter groß, mit einer Küche und entsprechender Ausstattung. Zudem sind Tische und Stühle vorhanden, die man also auch nicht selbst mitbringen muss. Perfekt für Zelt-Urlauber, die weniger Gepäck brauchen.

Der Campingplatz ist sehr groß. Von den Stellplätzen am Seeufer ist man zu Fuß eine Weile unterwegs, bis man die Rezeption und den Supermarkt erreicht. Deswegen bietet es sich an, ein Fahrrad dabei zu haben, um sich auf des Platzes schneller bewegen zu können.

Aktivitäten auf dem Campingplatz und drumherum

Bei einem Aufenthalt auf dem Slow Village Lacanau bieten sich vor allem sportliche Aktivitäten an. Das naheliegendste ist natürlich Wassersport. Ob Segeln, Kite- und Windsurfen, Stand Up Paddeln, Schwimmen, Wasserski, Kanu fahren, … für alle Wassersport-Fans bietet der See perfekte Bedingungen.

Für Wasserski und Kitesurfen sind auf dem See eigene Bereiche abgesteckt. Mit Kanu oder anderen Booten kann man die Inseln am gegenüberliegenden Ufer erkunden oder in die lagunenartigen Buchten von Talaris fahren. Immer aufpassen muss man auf die Untiefen, die teilweise auch in der Mitte des Sees sind.

Am Campingplatz gibt es einen Verleih für Boote und Bretter aller Art und eine Schule, bei der man Windsurf- oder Segel-Unterricht nehmen kann.

Wer lieber auf festem Boden unterwegs ist, für den ist Fahrradfahren die Haupt-Aktivität. Rund um den Campingplatz gibt es ein gut ausgebautes Fahrradwegenetz. Und wer kein eigenes Fahrrad dabei hat, kann beim Fahrradverleih auf dem Campingplatz eines mieten. Wir haben das einen Tag gemacht und waren mit der Qualität der Fahrräder sehr zufrieden. Mit dem Fahrrad erreicht man auch Strandabschnitte an der französischen Atlantikküste, die einsamer sind als die Hauptstrände in Lacanau-Océan. Allerdings muss man bedenken, dass diese nicht von Rettungsschwimmern überwacht sind.

Am Meer ist natürlich Wellenreiten der Sport Nr. 1. Wer es dort lernen will, kann auf das Angebot der vielen Surfschulen in Lacanau-Océan zurück greifen. Wer sich auf eigene Faust ins Abenteuer Surfen stürzt, muss beachten, dass an den überwachten Strandabschnitten das Surfen nur außerhalb der Fahnen erlaubt ist. Im abgesteckten Badebereich darf man nur mit Bodyboard surfen. Aber das auch nur ohne Flossen. Mit Flossen muss man dann wieder außerhalb der Fahnen ins Wasser. Sollte man das nicht beachten, wird man von den Rettungsschwimmern per Pfeifsignal deutlich darauf aufmerksam gemacht.

Auf dem Slow Village Lacanau gibt es auch ein Animationsprogramm. Die Kette, die den Campingplatz betreibt, schreibt sich selbst auf die Fahnen, dass sie ein entschleunigendes und naturnahes Urlaubs-Erlebnis bieten wollen. Dies schlägt sich unter anderem im angebotenen Programm nieder. Quizshows, laute Discoabende oder alberne Trinkspiele darf man nicht erwarten. Stattdessen gibt es Yogastunden, Fitness und Tischtennis- oder Beachvolleyballtuniere.

Eine Woche beim Animationsprogramm.

Auch ohne Animateure kann man die Sportstätten auf dem Platz nutzen. Es gibt zwei Beachvolleyball-Felder, eine (leider etwas herunter gekommene) Minigolf-Anlage, zwei Tischtennis-Platten und die für Frankreich obligatorischen Boule-Bahnen.

Boule-Bahnen, dahinter Minigolf und das Zelt, in dem die Kinderanimation stattfindet.

Was tun die Kinder auf dem Slow Village Lacanau?

Also, was machen Kinder auf einem Campingplatz? Über den Platz stromern, mit Tannenzapfen und Steinen spielen und Häuser bauen, in Hängematten schaukeln, selbständig einkaufen gehen, … alle das geht natürlich auf dem Slow Village Lacanau auch.

Aber das Highlight für die Kids ist natürlich auch der See. Gerade für Nicht-Schwimmer-Kinder ist der flache Einstieg ins Wasser perfekt. Ca. 10 Meter kann man vom Strand aus ins Wasser, ohne dass es tiefer als 50 cm wird. Und als Eltern kann man so relativ entspannt sein und die Kinder planschen, spielen und tauchen lassen.

Für Kinder gibt es eine eigenes Animationsprogramm. Auch das ist sehr naturbezogen: es wird mit Naturfunden gebastelt, gespielt, Hütten gebaut …. Das Programm ist auf Französisch und/oder Englisch.

Camping-Alltag: Duschen, Klo, Geschirr spülen, Essen

Sanitäranlagen auf französischen Campingplätzen haben generell einen geringeren Standard als in Deutschland. Dementsprechend sollte man auch an Campingplätze mit mehreren Sternen nicht zu hohe Erwartungen haben.

Es gibt zwei große Sanitärgebäude auf dem Slow Village, beide wurden in den letzten Jahren saniert und modernisiert. Früher ganz es nur die typisch französischen Klos, die einfach Löcher im Boden waren. Inzwischen gibt es Toilettenschüsseln, allerdings ohne Klobrille.

Einpacken: Toilettenpapier! Das muss man selbst mit aufs Klo bringen.

Meistens sind die Toiletten- und Waschräume auf französischen Campingplätzen Unisex. Auch auf dem Slow Village Lacanau. Hier wurde nur bei den Toiletten durch Aufkleber an den Türen zwischen Frauen und Männern getrennt.

Es gibt Einzelduschkabinen und welche mit Waschbecken. Gut finde ich, dass es für Kinder extra kleine Toiletten und auch Kabinen mit niedrigen Waschbecken gibt. Auch eine mit einer Babybadewanne ist vorhanden.

Abends zwischen sechs und acht ist es in der Hauptsaison sehr voll in den Sanitärgebäuden. Da kann es schon vorkommen, dass man mal eine Weile warten muss, bis eine Dusche frei ist. Wenn man dann drunter steht, ist es sehr angenehm zu duschen. Es gibt meiner Meinung nach zu wenig Ablagemöglichkeiten bzw. die eine, die es gibt, ist immer nass. Aber das Problem besteht eigentlich auf jedem Campingplatz 🙂

Neben den Abwaschbecken in den Sanitärhäusern gibt es zum Geschirr spülen noch mehrere überdachte Waschbecken-Stellen über den Platz verteilt. So muss man auch zum Zähneputzen und Wasser holen nicht immer zu einem der beiden großen Häuser laufen.

Die Open-Air-Waschbecken (seit Jahrzehnten unverändert :-))

Am Eingang des Campingplatzes gibt es einen kleinen Supermarkt, der ein gutes Sortiment an allem bietet, was man an täglichen Bedarf hat. Und die Preise sind auch nicht höher als in anderen Supermärkten. Den ganzen Tag gibt es frisches Baguette und morgens Croissants und andere süße Backwaren.

Direkt daneben ist ein Imbiss, wo es Mittags und Abends Kleinigkeiten zum Mitnehmen gibt. Paninis, gebratene Hähnchen, Bowls, Pommes, Pizza etc. ersparen so manches Mal das Kochen.

Wer es schicker mag, der sollte das Restaurant „Sunrise“ ausprobieren. Hier gab es die deutlichste Veränderung gegenüber dem „alten“ Camping Le Tedey. Damals war das Lokal in der wunderbaren Lage direkt am Seeufer eine Bar mit Plastikinventar, wo man tagsüber in Badeklamotten ein Eis oder Kaffee konsumiert hat und abends ein günstiges Bierchen oder einen Pernod getrunken hat. Jetzt ist es ein (zugegeben äußerst stylisches) Tapas-Restaurant mit gehobenen Preisen. Da es inzwischen auf dem Platz auch einige luxuriösere Unterkünfte gibt, hat sich natürlich auch das Publikum etwas gewandelt. So findet auch das Restaurant auch seine Gäste, wobei viele wohl auch von außerhalb nur zum Essen kommen.

Für die Standard-Camper ist es meiner Meinung nach etwas zu schick. Wir haben nur mal am kleinen Verkaufsstand nebenan Eis und Crepe gegessen und das Restaurant sonst nur von außen betrachtet 🙂

Noch eine Alternative zum Kochen sind die verschiedenen Food Trucks, die täglich auf dem Platz stehen. Ob Nudeln, Paella, Thai Food … jeden Tag kann man so auf ein abwechslungsreiches kulinarisches Angebot zugreifen.

Raus kommen: Ausflüge

Neben den Tagen, die man am Strand der französischen Atlantikküste verbringt, gibt es auch weitere lohnenswerte Ausflugsziele in der Nähe des Campingplatzes.

Der nächste ist Moutchic. Der kleine Ort liegt nur 2 Kilometer vom Campingplatz entfernt am Seeufer. Dort gibt es einen Strand mit Boot- und Bretterverleih, eine große Wasserhüpfburg und viele Snackbars. Wer also mehr Trubel liebt, sollte dort mal hingehen.

Ab sieben Jahren darf man drauf, eine Stunde kostet 12 €.

Wem der Sinn nach Stadtleben steht, sollte auf jeden Fall einen Ausflug nach Bordeaux einplanen. Obwohl es eine Großstadt ist, verzaubert einen die Innenstadt durch ihr ganz besonderes französisches Flair. Sich einfach treiben lassen, französische Leckereien genießen, das ein oder andere Souvenir shoppen, … das alles lässt einen einen tollen Tag in Bordeaux verbringen. Das Highlight ist ein Stopp beim Miroir d’eau. Dieser Brunnen ist ein großes Reflexionsbecken, in das in regelmäßigen Abständen Wasser durch Düsen gesprüht wird bis es ca. 2 cm hoch steht und dann wieder abgelassen wird. Gerade an heißen Tagen eine tolle Abkühlung für alle.

Hier noch ein paar Shoppingtipps:

➡️ Schmale pittoreske Straße mit kleinen Geschäften: Rue Notre Dame. Am Montag hatten leider viele geschlossen, aber gelohnt hat sich es schon allein wegen „Coutume“, einem kleinen Laden mit schönen ausgesuchten Dingen für den Alltag. 
➡️ Im Zentrum ist die Rue du Pas-Saint-Georges besonders malerisch. Ein tolles Geschäft mit Kindersachen ist „Le petit Souk“.
➡️ Die zentrale Shoppingmeile ist Rue Sainte-Catherine. Dort gibt es Geschäfte aller bekannter (Mode-)Ketten.
➡️ Ein Geschäft, das ich in Frankreich liebe, ist „Nature er Découvertes“. Dort gibt es eine große Auswahl an schönen besonderen Dingen für Kinder, Outdoor, Küche, Sport, Gesundheit etc. Es gibt zwei Filialen in Bordeaux, allerdings nicht im Zentrum, sondern in zwei Einkaufszentren etwas außerhalb. 

🚐 Geparkt haben wir übrigens auf dem Platz METPARK Allées de Bristol. Ist zwar etwas teurer, ist aber zentral und kann auch mit größeren Fahrzeugen befahren werden, da es keine Höhenbeschränkung gibt. 

Ein weiteres Highlight in der Nähe des Slow Village Lacanau ist die Dune du Pilat. Das ist die höchste Sanddüne Europas. Nach einem anstrengenden Aufstieg wird man mit einem fantastischen Blick über das Meer, das Becken von Archacon und scheinbar endlose Pinienwälder belohnt.

Ein Shopping-Trip lohnt sich auf jeden Fall auch nach Lacanau-Océan. Zwar ist der Ort sehr touristisch, aber neben den typischen Nippes-Läden gibt es auch coole Geschäfte aller bekannter Surfermarken, kreative Concept-Stores und ein großes Restaurant- und Imbiss-Angebot. Und da die Einkaufsstraße direkt am Strand endet, kann man Shopping und Baden direkt miteinander verbinden.

Fazit

Viel Kultur, städtisches Leben und jede Menge Sehenswürdigkeiten wirst du bei deinem Aufenthalt auf dem Slow Village Lacanau an der französischen Atlantikküste nicht finden.

Aber wenn du sportliche Aktivitäten und Natur magst, bist du auf dem Campingplatz Slow Village Lacanau auf jeden Fall richtig. Bei dem großen Angebot auf dem Campingplatz und drum herum wird es sicher nicht langweilig. Gerade mit Kindern ist der Platz aufgrund des flachen Einstiegs ins Wasser perfekt. Und der Erholungsfaktor ist sehr hoch. In der Hängematte liegen und hoch in die Pinien schauen, dem Rauschen des Windes zuzuhören und ab und zu mal in den See springen, ist echtes „Slow Living“.

Wenn dir der Beitrag gefallen hat, teile ihn gerne.

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*