Familienleben Mit Kindern unterwegs

Autofahren mit Kinder entspannter machen

Dass Kinder Autofahren in den allermeisten Fällen doof finden, ist doch verständlich. Sie sind in ihren Sitz festgekettet, können damit nicht ihrem natürlichen Bewegungsdrang nachgehen und meisten ziehen nur öde Autobahnränder an ihnen vorbei. Wie kann man nun längeres Autofahren mit Kindern entspannter machen?

Im besten Fall sollte die Fahrt so gestaltet werden, dass sie an sich schon ein Erlebnis ist.

Inhaltsverzeichnis

Die Fahrt als Prozess wahrnehmen

Wir bringen unsere Ferienunterkunft ja meistens schon direkt in den Urlaub mit. Also müssen unsere Kinder auch längere Autofahrten über sich ergehen lassen. Den Camper kannst du halt nicht mit in den Flieger nehmen. Und meistens fahren wir zu Orte, die eine Anreise über zwei Stunden erfordern (wobei wir in dem Radius auch schöne Ziele haben – kannst du hier nachlesen). 

Grundsätzlich möchten wir unseren Kindern vermitteln, dass sich es sich lohnt, für ein besonderes Urlaubsziel die Mühen einer längerer Autofahrt in Kauf zu nehmen. Dies gilt ja einfach grundsätzlich im Leben: lohnenswerte Ziele sind mit einem arbeitsreichen Weg verbunden. Einfach ausgedrückt: von nix kommt nix. 

Jedoch soll die Fahrt in den Urlaub natürlich für keinen zur Qual werden. Ideal ist es, wenn sie schon als Teil des Urlaubs wahrgenommen wird. Das klappt, indem man die Autofahrt für die Kinder abenteuerlich, spaßig, unterhaltsam, kurzweilig und interessant gestaltet. 

Veränderungen wahrnehmen

Wenn man mit dem Auto in den Urlaub fährt, kann man eine Veränderung um sich herum wahrnehmen.

Die Landschaft verändert sich, das Wetter wechselt, die Luft riecht plötzlich anders und nach dem Übertritt über eine Landesgrenze sprechen die Menschen anders, geschriebene Worte sind auf einmal unverständlich und in Supermärkten stehen neue Lebensmittel zum Ausprobieren bereit. Und diese Veränderung kommt nicht plötzlich, sondern ist als langsamer Prozess wahrnehmbar. 

Um die Strecke visuell begreifbar zu machen, schaue ich mir mit den Kindern unsere Reiseroute gerne auf einer Papierkarte an. Da lässt sich mit dem Finger schon mal die Strecke vorfahren oder man schaut, wie viel man schon geschafft hat.

Auf dem Weg nach Korsika habe ich unsere Fahrstrecke auf vier Blätter verteilt ausgedruckt und mit den Kindern immer wieder geschaut, wo wir sind. Und wir haben uns gefreut, wenn wir ein Blatt „abgefahren“ und auf dem nächsten Blatt waren. Das macht auch für Kinder eine Strecke greifbarer und vorstellbarer.

Hier kommen nun weitere Ideen, die langes Autofahren mit Kindern entspannter machen: 

Nicht nur Autobahn fahren

Gerade wenn man eine Veränderung der Umgebung wahrnehmen möchte, lohnt es sich, auch mal den schnellsten Weg auf der Autobahn zu verlassen. Wenn wir früher (als wir noch mehr Zeit als Geld hatten) an die französische Atlantikküste gefahren sind, waren wir immer nur auf den mautfreien Nebenstraßen unterwegs. Definitiv eine längere Anreise, aber dafür erlebt und sieht man auch viel mehr vom Land.

„Schildkröten können dir mehr über den Weg erzählen als Hasen.“

Chinesisches Sprichwort

Auf dem Weg nach Korsika durch die Alpen sind wir irgendwann spontan abgebogen und sind statt durch den Gotthardtunnel über die Passstraße gefahren. Wow – was ein Erlebnis, sich die Serpentinen hochzukämpfen und dann im Sommer plötzlich an einem Schneefeld auf 1.800 Meter zu stehen. 

Solche schönen Streckenabschnitte findet man meistens abseits der Autobahn.

Schöne Pausen einplanen

Auch wenn wir Erwachsenen manchmal am liebsten einfach durchfahren würden, um schneller als Ziel zu kommen, ist es für Kinder wichtig, sich zwischendurch auch mal bewegen zu können. Also sollte man genügend Pausen dafür einplanen. 

Am schönsten ist es, wenn diese Pausen nicht nur ein Stopp sind, sondern auch ein Erlebnis und eine echte Erholung und Abschalten von der Autofahrt. 

Das geht nur bedingt auf Autobahnraststätten. Diese Orte mit überquellenden Mülleimern, Hundepipi auf den Grünflächen und überteuertem Essensangebot laden nicht zum Erholen ein. Natürlich ist es oft praktisch, wenn man direkt von der Autobahn dort auf Toilette gehen kann und für die Kinder ist auch der Spielplatz reizvoll. 

Aber gerade, wenn man schon die Anreise zu einem Erlebnis machen will, sollte man die Pausen abseits der Autobahnraststätten machen. 

Wenn man sowieso schon auf der Landstraße unterwegs ist, suchen wir oft über Google Maps nach schönen Plätzen. Wir schauen, wo ein See, ein Bach oder ein Waldstück kommt und ob man dort gut halten kann und sein Picknick auspacken kann. 

Oder man sucht über Google Maps bei „Attraktionen“. Darüber finden sich auch oft besondere Orte: eine große Schleuse, ein Tiergehege, ein alter Steinbruch … Dann kann man sich nicht nur bewegen in der Pause, sondern hat direkt das erste schöne Urlaubserlebnis gewonnen. 

Die Hindenburg-Schleuse bei Hannover haben auf dem Weg nach Dänemark besucht – auf Google Maps gefunden.

Oft lohnt es sich auch, eine Übernachtung einzuplanen. Als wir noch zu zweit unterwegs waren, haben wir uns auf einen Rastplatz gestellt und dort auf den Sitzen ein paar Stunden geschlafen. Mit Kindern finde ich das nicht ideal. Dann lieber nach einen Campingplatz oder Hotel Ausschau halten, wo man auch kochen bzw. essen gehen kann und die Kindern sich frei bewegen können.

Hörspiele und Musik

Es ist noch gar nicht so lange her, da habe ich Hörspiele von CD über eine PC auf einen MP3-Player übertragen. Puh, wie kompliziert es „damals“ war. Inzwischen geht das dank diversen Streamingdiensten wesentlich einfacher. Wir nutzen Spotify (Tipp: Family-Account) und Bookbeat

Ich habe bei Bookbeat immer einige Hörspiele auf meiner Merkliste. Vor langen Autofahrten lade ich dann ein paar davon herunter, um genügend Unterhaltung offline verfügbar zu haben. 

Mein Sohn (7 Jahre) hat in letzter Zeit diese gehört:

  • Petronella Apfelmus
  • Die Olchis
  • Findus erklärt die Welt
  • Der wilde Räuber Donnerpups
  • Dr. Brumm

Auf Spotify hören wir eher Musik, wobei es dort auch gute Podcasts und Hörspiele gibt.

Empfehlung von meinem Sohn:

  • Was ist Was
  • Sendung mit der Maus
  • Rund um die Welt mit Fuchs und Schaf

Weitere schöne Kinder-Podcasts über andere Podcast-Anbieter:

  • Süßes oder Saurier

Was wir noch nicht gehört haben, wovon ich aber schon viel gehört Positives gehört habe ist „Mira und das fliegende Haus“. Das wird auf dem Weg in den nächsten Urlaub mal getestet.

Genügend Proviant

Hehe, den Tipp gibt es in jeder Liste von mir 🙂

Aber es ist einfach so, dass die Stimmung ganz eng mit der Verpflegung zusammen hängt. Mit was leckerem zu essen kann man auch mal Anflüge von schlechter Laune vertreiben. Und wenn man eine schönes Plätzchen für eine Pause gefunden hat, kann man ein leckeres Picknick einnehmen. 

Was sich gut als Verpflegung eignet: 

  • Obst und Gemüse (am besten am Stück, dann bleibt es länger frisch).
  • Falafel oder Hackfleischbällchen.
  • Brot nicht schon vorab belegt, sondern alles, was man mag, mitnehmen und bei einer Pause frisch aufschneiden. Dafür bietet sich hartem Käse und Salami an, aber auch Frischkäse und vegetarische Aufstriche.
  • Kekse und Kuchen als Nachtisch und Leckerei zwischendurch – am besten ohne Schokolade, das macht weniger Sauerei.
  • Was zum Knabbern darf auch nicht fehlen: Salzbrezelchen, Nüsse, Studentenfutter, …
  • Am Tag vor Reisebeginn Pizza bestellen und die Reste (bzw. einfach eine mehr bestellen) dann bei der Pause kalt geniessen.

Als Zubehör braucht man dann noch: 

  • Brettchen und Messer
  • Stilles Wasser zum Trinken und auch mal abwischen können
  • Becher & Teller aus unzerbrechlichem Material, z.B. Melanin oder Bambus

In der Nacht fahren

Fahren, wenn die Kinder schlafen und die Autobahnen leer sind. So schafft man Kilometer um Kilometer meistens ganz entspannt. Natürlich sollte das in seinen eigenen Bio-Rhythmus passen. Ich hab zum Beispiel kein Problem, um vier Uhr in der Frühe zu starten, während mein Mann dagegen bis tief in die Nacht hinein fahren kann, ohne müde zu werden. 

Gerade, wenn man morgen in den Urlaub starten will und eine lange Fahrt vor sich hat, finde ich es wichtig, dass vor der Abfahrt nicht mehr allzu viel zu erledigen ist. Bei uns ist es Kaffee und Tee kochen, Katze füttern und den Müll rausbringen. Ich lege mir auch meine Anziehsachen schon immer am Vorabend raus. 

Und noch mein Lieblingstipp: 

Früher als die Kinder noch sehr klein waren, haben wir sie in Schlafanzügen ins Auto gesetzt, so konnten sie einfach im Auto weiter schlafen. Bei einer Pause wurden sie dann irgendwann angezogen. 

Inzwischen haben wir ein anderes Vorgehen: Am Abend vor der Abreise duschen die Kinder und ziehen dann schon frische Klamotten für den nächsten Tag an. Für die Kinder ist es ein Highlight, in Tages-Klamotten zu schlafen und für uns fällt eine Aktivität am Morgen des Reisetages weg. Das ist jetzt schon zu einem richtigen Urlaubsstart-Ritual geworden, auf das sich die Kinder sehr freuen. 

Überraschungsbox packen

Für eine lange Fahrt ist es gut, ab und zu ein paar Überraschungen an Bord zu haben. Kinder lieben Überraschungen. Und wenn diese sie dann noch eine Weile beschäftigen, haben alle Mitreisenden etwas von. Dafür gibt es meine Geheime-Überraschungs-Box. 

Das kann entweder eine richtige Box sein, z.B. ein Schuhkarton oder auch ein Stoffsäckchen, dass sich verschließen lässt. Praktischer ist ein Behältnis aus Stoff, da sich dieses flexibler verstauen lässt. 

Wann holt man nun die Überraschungen heraus? Da gibt es zwei Möglichkeiten. 

Eine Option ist, auf passende Gelegenheiten zu warten und es spontan zu entscheiden. Das gibt einem die Möglichkeit zu reagieren, wenn die Stimmung zu kippen droht. 

Alternativ kann man feste Abstände festlegen. Alle 200 Kilometer. Oder jedes Mal, wenn man eine Bundes- oder Landesgrenze überquert. Oder alle 3 Stunden. Das kann man für jede Fahrt individuell überlegen. Bei einer festen Regelmäßigkeit können die Kinder sich schon vorab darauf freuen, da sie wissen, dass bald wieder etwas Besonderes passiert. 

Hier noch ein paar Ideen, mit denen sich die Überraschungsbox füllen lässt

  • Kleine Süßigkeiten (am besten etwas, das auch bei warmen Temperaturen nicht schmilzt)
  • Pixi-Bücher
  • Lego- oder Playmobil-Figuren
  • Kleine Geschicklichkeitsspiele
  • Kleiner Block und Stifte
  • Rätselblock. Daraus kann man gut auch nur einzelne Seiten verteilen, so hat man länger etwas davon. 

Weitere Ideen?

Hast du weitere Ideen, mit denen du langes Autofahren mit Kindern entspannter machst? Oder haben dir meine Tipps geholfen? Ich freue mich über dein Kommentar.

Wenn dir der Beitrag gefallen hat, teile ihn gerne.

One Comment

  1. Pingback: Unser Ferien-Spielzeug-Tasche für Kinder - Vier im Bus

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*